Mahnung für Menschen unserer Zeit

Erstellt am 30.05.2019

Briefmarken dokumentieren Widerstand gegen Nationalsozialismus

Von Kathrin Koppe-Bäumer

Arnsberg-Oeventrop. Gerhard Budde, Philatelist und Vater der Arnsberger Pfarrerin Claudia Schäfer, hat zum 75. Jubiläum des 20. Juli, dem Tag des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, seinen Briefmarkenschatz durchsucht und daraus eine Ausstellung entwickelt, die in 10 Vitrinen in der Dietrich Bonhoeffer-Kirche in Briefmarken die Geschichte vergegenwärtigt. Bis zum 14. Juli kann die Ausstellung mittwochs und freitags von 17-19 Uhr besichtigt werden. Ein Besuch lohnt sich, denn Widerstand in all seinen Facetten wird dokumentiert: Widerstand aus politischer, christlicher und ganz individueller Motivation in Deutschland und Europa, von Politikern, Arbeitern, Künstlern, Sportlern, Männern und Frauen wird erinnert. Sichtbar wird auch, wessen Widerstand in der DDR und wessen Widerstand in der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt wurde.

Gerhard Budde, geboren 1934, ist bis heute bemüht, Briefmarken-Kostbarkeiten seiner Sammlung einzureihen. Im Moment versucht er, eine Briefmarke mit dem Widerständler General von Witzleben zu ersteigern. Zu seiner Ausstellung sagt er: „Ich finde es als Christ beeindruckend, wie viele Menschen sich mit großem Einsatz gegen die Nationalsozialisten gestellt und zu ihren Werten und religiösen Überzeugungen gestanden haben. Viele der Widerstandskämpfer haben das mit ihrem Leben bezahlen müssen. So passt meine Ausstellung gut in die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, weil sie mit ihrem Namen und auch mit der Botschaft ihres Kirchenfensters zu dem  entschiedenen Einsatz gegen die Einstellung, dass Menschen sich über andere Menschen erheben dürfen, aufruft. Die Macht liegt allein bei Gott.“

Ihm selbst sind die Briefmarken des SPD-Politikers Kurt Schumachers die liebsten. Schumacher überlebte mehrere Konzentrationslager, baute nach dem Krieg die SPD auf und war politischer Gegenspieler Konrad Adenauers. Die Ausstellung enthält zwei Briefmarken mit seinem Porträt: eine 40-Pfennig-Marke wurde 1972, zwanzig Jahre nach Schumachers Tod, und eine Eine-DM-Marke 1995, 100 Jahre nach seinem Geburtstag, von der Deutschen Bundespost herausgegebenn. Ein 54-seitiger Katalog, von Gerhard Budde und seiner Tochter zusammengestellt, dokumentiert alle Briefmarken und ordnet sie in die Geschichte des Widerstands ein.

Am Sonntag,  26. Mai, eröffnete die Pfarrerin die Ausstellung mit einem Abendgottesdienst zum Thema „Mutige Menschen“. Den Ausspruch Martin Niemöllers: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte“, stellte sie dem Gottesdienst voran. Kurzbiographien von Martin Niemöller, Lieselotte Herrmann und Paul Schneider wurden vorgetragen. Die Studentin Lieselotte Herrmann gehörte der KPD an, veröffentlichte Flugblätter, wurde von der Universität ausgeschlossen, arbeitetet daraufhin im väterlichen Betrieb und gab Informationen über industrielle Entwicklungen ins Ausland weiter.  1935 wurde die 29-Jährige in Plötzensee getötet.
Das Glasfenster in der Apsis der Kirche hat Max Schulze-Sölde, der in der Soester Börde lebte, 1940 entworfen. Es zeigt den auferstandenen Christus auf einem unsichtbaren Thron, geschmückt mit einem Heiligenschein. Seine Augen blicken alle an, die das Bild betrachten. Die Füße fallen auf. Der Künstler hat einen fleischern und den anderen knöchern dargestellt und gezeigt, dass Jesus über die Erde geht als sterblicher Mensch, dem Gott das Leben neu schenkte.

Die Nationalsozialisten haben das Bild als entartete Kunst diffamiert und damit gezeigt, dass der Künstler sie mit seiner Botschaft getroffen hat. Laut Claudia Schäfer wollte er zeigen, dass Christen widerständig sein müssen, weil sie keiner Obrigkeit außer Gott verpflichtet sind. Widerständigkeit sei auch heute wichtig, sagte Schäfer im Hinblick auf die Europawahl, die während des Gottesdienstes in deutschen Wahlbüros endete. Sie forderte zu einem kritischen Blick auf populistische Parteien auf. Manche ihrer Forderungen wirkten auf den ersten Blick verständlich, doch sei es wichtig, die Zwischentöne zu erkennen und zu kritisieren. Martin Niemöller würdigte sie als Beispiel dafür, dass Menschen ihre Meinung ändern könnten. Der begeisterte U-Boot-Offizier aus dem Ersten Weltkrieg war mit der Wahl Hitlers zum Reichskanzler einverstanden und wehrte sich erst gegen den Nationalsozialismus, als das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen eingeschränkt wurde.

 

Folgende Veranstaltungen begleiten die Ausstellung in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Arnsberg-Oeventrop an der B7:

Mittwoch 5.Juni 2019    19.00 Uhr

Elser - Er hätte die Welt verändert DE · 2015

Drama von Oliver Hirschbiegel mit Christian Friedel und Katharina Schüttler.

Elser – Er hätte die Welt verändert widmet sich dem Mann, der am 8. November 1939 einen Anschlag auf Hitler verüben wollte.

Freitag, den 28.Juni        17.00 Uhr

Christlich motivierter Widerstand am Beispiel der Elisabeth Schmitz

Vortrag von Franziska Padberg, Studentin der Theologie aus Arnsberg- Wennigloh