Ostergruss

Erstellt am 09.04.2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Corona bestimmt zur Zeit unser Leben – so sehr, dass weder Gottesdienste stattfinden, noch Menschen unserer Gemeinde sich in Gruppen und Kreisen treffen können oder Konfirmanden/innen zur Konfirmationsvorbereitung zusammenkommen können. Deshalb versuchen wir Sie auf diese Weise in Ihren Wohnungen und Häusern zu erreichen.

Das Osterfest steht vor der Tür und sicher werden Sie vermissen, was sonst für Sie zum Osterfest dazugehört: ein Gottesdienstbesuch, die Teilnahme am Osterfrühstück, das Entzünden des Osterlichtes in der Osternacht, die Teilnahme am Abendmahl besonders am Gründonnerstag, eine Osterfeier in der Familie oder im Freundeskreis, ein Konzertbesuch, das Mitgehen auf dem Kreuzweg oder bei einem Emmausgang und sicher noch viel mehr…

Vielleicht fühlen Sie sich in diesen Tagen besonders einsam, sehnen sich nach Ihren Verwandten oder guten Freunden, haben Sorge vor der gegenseitigen Ansteckung und Angst vor einer bedrohlichen Erkrankung.

Wir fühlen mit Ihnen und möchten Ihnen gerade jetzt in bedrohter Zeit ermutigende Worte mit auf den Weg geben. Mein Lieblingslied in der Passions- und Osterzeit findet sich im Evangelischen Gesangbuch unter der Nummer 97. Ich liebe es, weil es dem niederländischen Liederdichter Jürgen Henkys gelungen ist, Karfreitag und Ostern, Leid und Hoffnung, Trauer und Trost, Tod und Leben zusammenzuschreiben. Als Passionslied strahlt in ihm die Auferstehungsbotschaft auf, als Osterlied beschreibt es, welcher Preis für das Leben zu zahlen ist.

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht!

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du?

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.

Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

 

Mit den Worten dieses Liedes fühle ich mich immer wieder ermutigt und gestärkt, auszuhalten, was ausgehalten werden muss; meine Zweifel und Ängste zu überwinden; mich von Tag zu Tag durch eine Krise zu kämpfen. Dieses Lied ist ein Gebet. Die Bitte „Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehen“ bündelt meinen Wunsch, alles, was in meinem Leben erstarrt und gelähmt ist – eben wie tot – mit Gottes Hilfe zu überwinden. Aufzustehen – nicht unbedingt mit der Kraft unserer Füße und Beine, sondern durch die Veränderung der inneren Haltung, die uns Ruhe und Gelassenheit schenken mag.

Vielleicht geht es Ihnen beim Lesen und Singen dieses Liedes ähnlich. Vielleicht ist es bei Ihnen auch ein anderes Lied oder ein Bibelwort, das in Ihnen dieses Gefühl der Zuversicht auslöst, das Ihnen Glaubensgewissheit in dieser Krise schenkt. Schreiben Sie es auf einen Zettel, legen sie es an einen besonderen Ort und stellen daneben eine brennende Kerze. Sprechen Sie es nach, singen Sie es, lassen Sie es zu Ihrem Gebet werden. Vielleicht haben Sie auch Lust mitzumachen bei der Aktion, zu der unsere Präses Annette Kurschus alle Christen in der westfälischen Landeskirche aufruft: Gehen Sie am Ostersonntag um 10.30 Uhr auf den Balkon, auf die Terrasse, oder vor die Haustür und singen „Christ ist erstanden“ EG 99. Wenn eine/r singt ist das eher blamabel, wenn viele Singen ist das eine Ermutigung für Menschen im Sauerland, wenn ganz, ganz viele singen ist das eine Hoffnungsbotschaft für die ganze Welt.

Lassen Sie sich darin – in den kleinen österlichen Gesten - Gottes Segen schenken, der Sie halten und tragen und begleiten soll durch die Feiertage und darüber hinaus.

Gottes Segen leuchte uns

wie das Licht am Ostermorgen.

Gottes Friede begleite uns.

Gottes Liebe beflügle uns.

Gottes Freude rühre uns an.

Christus ist auferstanden.

In diesem Glauben segne uns Gott.

Auch im Namen meiner Kollegen im Pfarrteam - Johannes Böhnke, Wolfram Sievert und Christoph Decker-  und den Mitarbeitern aus unserer Gemeinde – Kirsten Loniak, Cornelia Vandraj und Wasilij Dell -  wünsche Ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest 2020

 

Ihre Pfarrerin

Claudia Schäfer

 

PS: Falls Sie die Möglichkeit haben, können Sie am Karfreitag ab 10.00 Uhr, in der Osternacht ab 22.00 Uhr und am Ostersonntag ab 10.00 Uhr einen Gottesdienst unserer Gemeinde auf Youtube miterleben und mitfeiern. Außerdem finden Sie, solange keine Gottesdienste stattfinden können, die Sonntagspredigten, Videogottesdienste und Passionsandachten zum Nachlesen und Nachhören auf unserer Homepage unter www.evangelisch-in-Arnsberg.de.