Zu Gast bei Katharina von Bora

Erstellt am 27.06.2017

Welch schöne Idee, Katharina Luther höchstselbst als Einladende zu ihrem  492.Hochzeitstag - das war tatsächlich der Veranstaltungstag! - auftreten zu lassen: was im kommunalen Programm zum Reformationsjubiläum seriös (und trocken?) unter „Katharina von Bora, die Frau an Luthers Seite; Vortrag und Diskussion“ für den 13.Juni angekündigt war, erwies sich für die zahlreichen Zuhörerinnen und die wenigen Zuhörer als ein durchaus seriöser, doch zugleich bunter Strauß aus Wort und Musik, aus Ernstem und Heiterem, aus Information und Gefühl, aus Vesper und Bier - kurz: als ein Herz, Hirn und Magen ansprechendes Unterfangen.

Pfarrerin Claudia Schäfer hatte Arnsberger Frauenhilfsleiterinnen um sich geschart, um mit ihnen der Lutherin näher zu kommen. Das Team stand dabei durchaus vor einer nicht ganz einfachen Aufgabe: sind doch die urkundlichen Zeugnisse, mit Hilfe derer Wesen und Geschichte einer Person der Vergangenheit wieder „lebendig“ gemacht werden können, im Falle Katharinas außerordentlich dünn gesät - ganz im Gegensatz zu ihrem Gemahl, der wohl als bestbezeugter Mann in der deutschen Vergangenheit anzusehen ist. Bewusst oder unbewusst haben das die Verantwortlichen dieses Abends für Käthe dramaturgisch auch umgesetzt: die Reporterin auf dem Jubel-Hochzeits-Fest in Wittenberg (Claudia Schäfer) befragte gleich einige Katharinas (personifiziert von verschiedenen Mitarbeiterinnen), deren Einlassungen unterschiedliche Lebensabschnitte der „Frau an seiner Seite“ und Entwicklungsstadien im gemeinsamen Leben der Eheleute beleuchteten. Da ging es um die Flucht aus dem Nimbschener Kloster, um den durchaus nicht ebenen Weg an die Seite des Reformators, um die Hochzeit in schwierigen Zeiten und um Lernprozesse und Annäherungen der Eheleute, um Käthe, die Multitasking-Frau, die Wirtschaft, Finanzen, Haushalt und die Kinderschar klug und fest in der Hand hatte - und endlich auch um die Frau, deren Ehe mit Martin Luther anfangs durchaus aus Vernunftgründen geschlossen wurde und die am Ende der beiden gemeinsamen Jahrzehnte zu einer Liebesehe geworden war.

Die gemeinsam gesungenen Lieder des Abends waren nicht Lückenfüller, sondern verbindende Elemente, das Quiz festigte Gewusstes oder neu Gelerntes, das gemeinsame Mahl verstärkte das Gefühl, einen besonderen Abend erlebt zu haben.

Text: cek
Bilder: Ingrid Fürstenberg