Vertrauensvoll losgehen

Erstellt am 15.05.2018

Ein ökumenischer Bibelnachmittag für Geistliche Text und Bilder: KKB

Bruder Anno und die Referentin

Schwester Ignatia grüßt die Gäste.

v.l.: Schwester Ignatia, Bruder Anno, Heidemarie Langer und Superintendent Alfred Hammer

Bestwig. Im Jahr 2016 war der gemeinsame Rüsttag für evangelische und katholische Geistliche ein Erfolg. Deshalb gab es dieses Angebot Ende April erneut. Wieder in der gastfreundlichen Atmosphäre des Bergklosters in Bestwig. Diesmal mit der Referentin Heidemarie Langer aus Hamburg. Die studierte Theologin, Anglistin, Kommunikationswissenschaftlerin und Gestalttherapeutin entwickelte in den 70er, 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts das Bibliodrama in Deutschland. Auf den Kirchentagen in den 80er-Jahren arbeitete sie so kreativ mit Großgruppen an biblischen Texten, dass den Teilnehmenden ihre persönlichen Beziehungen zum Text klarwurden und sich ein lebendiger und lebhafter Dialog zwischen Menschen der Gegenwart und Texten der Tradition entwickelte.

50 Sauerländer aus dem Evangelischen Kirchenkreis Arnsberg und den drei katholischen Dekanaten hatten Lust auf eine Begegnung mit Heidemarie Langer. Superintendent Alfred Hammer hatte sich „Segen fürs Leben“ gewünscht und die Referentin zusammen mit Projektpfarrerin Christina Bergmann einen Nachmittag zum Text über den Anfang der Abrahams-Geschichte entwickelt. Heidemarie Langer begann mit ihrer Arbeit schon während des Stehcafés  vor der Sitzung. Ruhig bewegte sie sich unter den Kaffeetrinkenden, gab hier eine Hand, wechselte dort einige Sätze, kam zu einem zurück, um ihm noch einmal richtig ins Gesicht zu sehen. Begegnung von Angesicht zu Angesicht am Kaffeetisch, vor dem Aufbruch zu einer Reise, unter freiem Himmel – darin kann Segen liegen. Drei Stunden lang ging die Referentin am biblischen Text entlang, ließ Pfarrer, Pfarrerinnen, Ordensleute, Gemeindereferentinnen und Priester über das Gehen nachdenken und fragte sie, was ihnen  die Kraft gibt nach vorne zu gehen. Welches Vertrauen lässt mich aufbrechen und weitergehen? Sie halte nichts von der Formulierung „Man muss loslassen“ – sie ziehe den Satz vor: „Man verlasse im Vertrauen auf“.

Mancher musste im Laufe des Nachmittags erst den Zugang zu dieser elementaren Form der Bibelarbeit finden. Wo blieben denn da  Kopf, Verstand und die Ergebnisse der wissenschaftlichen Auslegung? Im Gespräch unter Sitznachbarn konnten diese Gedanken gestreift werden. Überhaupt: Wenn zum Gespräch miteinander aufgefordert wurde, wurde intensiv gemurmelt.

Unter den Geistlichen beider Kirchen hat sich Vertrauen entwickelt. Das wurde sicht- und hörbar. Auch während der 20-minütigen Stille, als die Klosterräume jedem zur persönlichen Meditation geöffnet waren, blieben die Teilnehmenden aufmerksam füreinander. Ein Stück Himmel wurde an diesem Tag spürbar und am Ende die Bereitschaft, neuen Wegen zu vertrauen.

Superintendent Alfred Hammer, Schwester Ignatia vom Kloster Bestwig und Bruder Anno vom Benediktiner- Kloster teilten sich die Gastgeberschaft, begrüßten die Versammelten, dankten der Referentin und luden zu Abendgebet und gemeinsamen Essen am Ende des Tages ein.