Dietrich-Bonhoeffer-Kirche (Oeventrop)

Grundriss

Innenansicht

Diese Kirche an der B7, am Ortsausgang vom Arnsberger Stadtteil Oeventrop gelegen, wurde 1893 durch ortsansässige Bauunternehmer an der Verbindungsstraße nach Freienohl erbaut, um den Besuchern aus beiden Orten den Weg nicht zu lang werden zu lassen. Zum Reformationsfest 1929 wurde die Orgel eingeweiht. Zu Beginn der 60er Jahre fand eine Innenrenovierung statt. Zu dem Zeitpunkt erhielt die Kirche ihre klare, schlichte Inneneinrichtung. Das in den sechziger Jahren wegen Beschädigungen zugemauerte Chorraumfenster wurde Ende 2001 ausgebaut, gesichert und gereinigt und lagerte bis zur Restaurierung bei der Glasmalerei Peters in Paderborn. Anfang Juli 2003 wurde das Fenster wieder eingebaut und mit einem Fest des Förderkreises am 13. Juli 2003 seiner Bestimmung übergeben.

Das Kirchenfenster wurde in den Kriegswirren 1940 von dem Künstler Max Schulze-Sölde (1887-1967) entworfen und gestaltet. Es zeigt Jesus Christus als Weltenherrscher in einer Zeit, in der ein anderer die Weltherrschaft anstrebte. Welch ein religiöses und politisches Zeichen! Die Bilder von Max Schulze-Sölde galten in nationalsozialistischer Zeit als entartet, wurden aus öffentlichen Sammlungen entfernt und größtenteils zerstört. Gezwungen neu anzufangen, entdeckte er 1938 den Reiz der Landschaft der Soester Börde und baute ein Haus in Günne. 1946 versuchte er nochmal an alten Überzeugungen anzuknüpfen und trat dem Bund christlicher Sozialisten bei. Zahlreiche Landschaftsbilder zeugen von seiner großen Verbundenheit mit der Soester Börde. Das Kirchenfenster ist eins der wenigen Zeugnisse aus seiner Protestzeit gegen den Nationalsozialismus und hat damit besonderen Seltenheitswert.

Christus scheint auf einem Thron zu sitzen zwischen Himmel und Erde. In einer Hand hält er die Bibel mit dem ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets. Allumfassend ist seine Botschaft und seine Herrschaft, vom Anfang bis zum Ende und darüber hinaus. Die andere Hand hat er zum Segen erhoben. Die Handhaltung weist auf die Dreifaltigkeit und auf die Zwei-Naturen-Lehre. Zwei Finger zeigen auf die innere Handfläche: Jesus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Drei Finger zeigen nach oben: Segen geschieht im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Die Füße sind unterschiedlich: ein fleischiger, kräftiger Fuß steht für das Leben; ein magerer, skelettierter Fuß steht für das Leiden und den Tod. Jesus Christus ist der Herrscher über Lebende und Tote, sein Herrschaftsbereich umfasst alle Zeiten und das ganze Weltall. In ihm berühren sich Himmel und Erde, durch ihn scheint die Ewigkeit in unser Leben. Seine Augen ruhen auf dem/der Gottesdienstbesucher/in, egal wo er oder sie in der Kirche sitzt, und sie geleiten ihn/sie hinaus in den Alltag.

Zum 100. Geburtstag bekam diese Kirche den Namen Dietrich-Bonhoeffer-Kirche. Das war im Dezember 1993. Sie erhielt ihren Namen zum Gedenken an einen Pastor und Theologen, der gerade nicht Sicherheit und Selbstzufriedenheit in der Kirche gesucht hat, sondern den sein Glaube in den Widerstand gegen den Staat, aber auch gegen Kreise in der Kirche gebracht hat. Wie ihn hat es immer Menschen gegeben, die Unruhe in die Kirche und die Gemeinden gebracht haben, immer um der Sache des Glaubens, um der Sache Gottes willen. Der Name Dietrich Bonhoeffer und das Gedenken an ihn möchte uns also Mahnung sein, als Kirche und Gemeinde nicht zu selbstsicher zu sein, sondern offen zu bleiben für die Veränderungen in der Welt und für Gottes Wort.

Diese Kirche  erinnert und ermahnt uns mit ihrem Namen und ihrem Kirchenfenster an eine Zeit, in der politischer Widerstand angesagt war und Ergebung in göttliche Führung gelebt werden musste. So wollen wir als Gemeinde auch heute noch Flagge zeigen und mit unserem Kirchturmbanner und den Worten Dietrich Bonhoeffers viele Menschen ansprechen und aufmerksam machen.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Dietrich-Bonhoeffer-Kirche

Lutherjahr 2017